Marianne Golz • Eine der Gerechten unter den Völkern

Autor Rena Jacob

"Ich war glücklich, bis zur letzten Stunde." Marianne Golz

„Marianne Golz war eine eigenwillige Frau. Tonangebend auf der Bühne und im Leben. Sie hatte sehr viel Kraft, etwas, das sehr dominierte“, beschreibt ihre Nichte Erika Haala die Sängerin und weiter: „Sie war ein Mensch mit sehr viel Charme. Sehr viel Warmherzigkeit. Sehr viel Fröhlichkeit. Wo sie war, hat sie die Szene beherrscht.“ Ihrer Unangepasstheit verdanken mehrere Menschen ihr Leben. Ihr eigenes bezahlte Marianne Golz damit. Der letzte Brief von Marianne Golz an ihre Schwester Rosi, Pankratz, den 5. Oktober 1943:


Liebes Rosilein!
hier nun mein letzter Gruß. Ich kann Dir nur mitteilen, dass ich das Spiel ums Überleben verloren habe. Ich werde versuchen als Heldin abzutreten. Weine nicht! Das Sterben ist hier etwas Alltägliches. Das Leben war bis auf die letzten zwei Stunden schön. Bis zum letzten Augenblick hatten mich hier alle lieb. Bis zum letzten Augenblick war ich glücklich. Ich habe alles getan, dass mein Tod eines Tages gerächt wird. Ich bleibe in Deiner Erinnerung, in Deiner Nähe. Ich küsse Dich
Marianne

Marianne-Golz-um-1940

Der Staat Israel ehrte sie für ihre Hilfeleistungen im Jahre 1988 posthum als "Gerechte unter den Völkern".

"Der Dolch der Mörder war unter der Robe der Juristen verborgen." Mit diesem drastischen Bild brachte der amerikanische Chefankläger Telford Taylor 1947 im Nürnberger Urteil gegen das Oberkommando der Wehrmacht die todbringende Rolle der Justiz in der NS-Zeit auf den Punkt. Der Dolch der Mörder in der Robe war beispielsweise gezückt, wenn die Richter und Staatsanwälte die wohlklingende Formulierung verwendeten, "der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen". Gemeint war damit nichts anderes als die Empfehlung, die verhängte Todesstrafe zu vollstrecken. An dem Urteil gegen Marianne Golz waren neben anderen diese Juristen beteiligt: Staatsanwalt Franz Ludwig,  nach dem Krieg wurde er Staatsanwalt in Düsseldorf. Staatsanwalt Wolfgang von Zeynek, wurde vom Volksgericht Prag 1948 zu 15 Jahren Haft verurteilt, 1955 in die Bundesrepublik entlassen, war er danach Landgerichtsrat in Nürnberg. Richter Erwin Albrecht, war CDU-Landtagsabgeordneter im Saarland. Richter Robert Hartmann wurde nach 1945 Oberamtsrichter in Königswinter. Der Scharfrichter Alois Weiss lebte nach 1945 unbehelligt in Regensburg.