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Valeska Gert • Ein Genie: verkannt ► erkannt

Valeska Gert, eigentlich Gertrud Valesca Samosch wurde am 11. Januar 1892 in Berlin geboren und verstarb am 18. März 1978 in Kampen auf Sylt. Sie war eine deutsche Tänzerin, die auch als Kabarettistin und Schauspielerin tätig war. Valeska Gert war das älteste Kind des wohlhabenden jüdischen Berliner Kaufmanns Theodor Samosch und dessen Ehefrau Augusta Rosenthal. Auf Veranlassung der Mutter erhielt sie ab ihrem siebten Lebensjahr Tanzstunden. 1915/1916 nahm sie Schauspielunterricht und wenig später erhielt sie ein Engagement an den Münchner Kammerspielen. Im Jahr darauf konnte sie bereits große Erfolge als Solotänzerin in Berlin und München verzeichnen. Ihre exzentrischen Tanzpantomimen, in denen sie Sujets wie Boxen, Nervosität, Kupplerin, Politiker und Prostituierte analysierte und deren Vielschichtigkeit als Einheit umsetze, machten sie schließlich zum skandalumwitterten Star. Die ‚Skandale’ entsprangen ihren Interpretationen des Tanzes. Durch ihre genaue Beobachtungsgabe zeigte sie die Vielschichtigkeit des einzelnen in Verbindung zu seiner Umwelt auf, dies mit einer solchen Intensität, dem sich der Zuschauer nur schwer entziehen konnte, doch oft überforderte sie die Menschen in ihrer Umgebung, immer war sie ihrer Zeit weit voraus.

Sie arbeitete auch als Schauspielerin, als Chansonette und Kabarettistin. In jeder dieser Sparten war sie furios, sie war einmalig. Zurück in Berlin eröffnete sie in Berlin ihr erstes Kabarett Kohlkopp. Nach 1933 hatte Gert, von den Nazis als „entartet“ diffamiert, in Deutschland außer im Kulturbund Deutscher Juden keine Auftrittsmöglichkeiten mehr und hielt sich länger in Frankreich, den USA und vor allem in England auf, kehrte jedoch immer wieder nach Deutschland zurück. In London war sie an dem experimentellen Kurztonfilm Pett and Pott beteiligt. Es war für lange Zeit ihr letzter Film. Am 24. April 1936 heiratete sie in London ihren zweiten Ehemann, den Schriftsteller Robin Hay Anderson. Anfang 1939 emigrierte sie in die USA. Hier hatte sie es schwer, in ihrem bisherigen Beruf zu arbeiten und war kurz auch als Tellerwäscherin tätig. 1939 engagierte sie als Klavierbegleiter für Probeauftritte zeitweilig den 17-jährigen Georg Kreisler. 1941 eröffnete Gert in New York die Beggar Bar, eine Mischung aus Kabarett und Restaurant, die sie jedoch 1945 wegen behördlicher Auflagen wieder schließen musste. Dort trat u. a. Kadidja Wedekind mit Rezitationen von den Gedichten ihres Vaters Frank Wedekind auf; einer ihrer Kellner war der später als Dramatiker weltberühmt gewordene Tennessee Williams, der hier auch eigene Gedichte vortrug. 1947 kehrte Gert nach Europa zurück. Nach Zwischenaufenthalten in Paris und Zürich, wo sie das Kabarett Café Valeska und ihr Küchenpersonal eröffnete, reiste Gert 1949 in das unter Blockade stehende Berlin, wo sie zunächst das Kabarett Bei Valeska und im Folgejahr das Kabarett Hexenküche eröffnete, für die sie den jungen Klaus Kinski engagierte. Sie selbst spielte in der Hexenküche die für ihre Grausamkeit berüchtigte KZ-Kommandeuse Ilse Koch, die 1949 zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde.

Im Jahr 1951 erfolgte die Eröffnung des Nachtlokals „Ziegenstall“ in Kampen auf der Nordseeinsel Sylt. In der mit Heu dekorierten Bar sorgten wieder die Kellner  nicht nur für das leibliche Wohl, sondern auch für die Unterhaltung der Gäste. Valeska Gert trat hier jedoch nicht mehr selbst auf.

Im Jahr 1973 spielt sie in R.W. Fassbinders TV-Serie Acht Stunden sind kein Tag mit. Im Jahr 1976 war sie in Volker Schlöndorffs Der Fangschuss als Tante Praskovia zu sehen. Schlöndorff drehte anschließend die Dokumentation Nur zum Spaß, nur zum Spiel, in der Gert über ihr Leben erzählt und einige Tänze und Performances wie die KZ-Kommandeuse Ilse Koch vorführt. Auch gibt sie eine Kostprobe ihrer Vokalmusik mit dem Kummerlied, welches nur aus Jammern, Wimmern und Heulen besteht. 1978 engagierte sie Werner Herzog, in seiner Neuverfilmung des Murnau-Klassikers Nosferatu den Häusermakler Knock zu spielen. Am 1. März unterzeichnete sie den Vertrag; doch starb sie vor Beginn der Dreharbeiten.

Valeska Gert wurde in ihrer Geburts- und Lieblingsstadt Berlin beerdigt, wo sie auch nach ihrer Remigration noch lange Zeit (parallel zu Sylt) eine Wohnung hatte. Sie wurde auf dem Friedhof Ruhleben (Am Hain) in Berlin in einem Ehrengrab der Stadt Berlin bestattet. Ihr Nachlass gelangte durch ihren Biographen an das Archiv der Akademie der Künste Berlin; bemerkenswerte Dokumente besitzen auch die Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität zu Köln und das Deutsche Tanzarchiv Köln. Valeska Gert ist ein Stern auf dem Walk of Fame des Kabaretts gewidmet: „ Die expressiven Grotesktanzpantomimen und suggestiven, mit Körpereinsatz vorgetragenen Chansons und Gedichte ‚des Mädchens aus dem Mumienkeller’ gehören zum Ungewöhnlichsten, was auf der Kabarettbühne je zu sehen gewesen ist“. Im Berliner Stadtteil Friedrichshain ist eine Straße nach ihr benannt. Am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin besteht seit 2006 eine Valeska-Gert-Gastprofessur für Tanz und Performance.

 

Empfehlenswert das Buch: Wolfgang Müller „Valeska Gert – Ästhetik der Präsenzen Inkl. Reprint Valeska Gert – Mein Weg (1931)“ – 272 Seiten, Abbildungen ISBN 978-3-927795-51-8


Foto1: Strassenschild in Friedrichhain · Foto 2: V. Gert tanzt – Quelle: berlinergazette.de · Foto 3: Zeichnung der Valeska Gert – Quelle: mutantteggplant.com · Foto 4: Buchtitel – Quelle: martin-schmitz-verlag.de

 

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➼ Ilse Koch 

 

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